Die Zeit der Hussiten. Auf ihrem Rückzug kamen die Hussiten an
Bernau vorbei und haben entsprechend den damaligen Kampfgepflogenheiten aller Heere, die außerhalb der Stadtmauer liegenden Gebäude, unter anderem das St.-Georgen-Hospital, zerstört. Das ist uns sicher. Es war am Georgstag zu Ostern im Jahre 1432.
Was man aber versucht zu belegen und wo es immer wieder unterschiedliche
Berichte gibt, ist die versuchte Einnahme von Bernau durch die Hussiten
und die tapfere Gegenwehr durch Bernauer Bürger. Zwar ist von Historikern seit dem 16. Jahrhundert bis heute vieles über den Hergang geschrieben worden, allein das allermeiste davon gründet sich auf Wahrscheinlichkeiten, Vermutungen und Erdichtungen. Hier einiges sperrliches und unvollkommen Erhaltenes aus dieser Zeit und etwas später danach...
Im alten Stadtbuch, was leider verloren gegangen zu sein scheint
(?) stand geschrieben:
"---Im Jahre des Herrn 1432, am Tage des heiligen Georgs, des Märtyrers, am Mittwoch im heiligen Ostern, sind die Böhmen gekommen, in dem sie diese unsere Stadt erobern und verwüsten wollten, welche vielfach und mit wilder Hand uns angegriffen, denen wir uns mit der Hülfe Gottes und des heiligen Georgs tapfer Widerstand geleistet haben. Auch wurden viele durch uns vor unserer Stadt getötet und verbrannt---"
Eine Urkunde aus dem Jahre 1434 besagte, daß Bernau
"---von den bösen Ketzern Schaden gelitten habe---"
Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1441 bestätigte, daß im Jahre 1432
"---die Stadt durch die Hussiten belagert und bedrängt war und
daß die in der Stadt befindlichen Einwohner die Einnahme und Zerstörung der Stadt als augenscheinlich bevorstehend stark befürchteten!---!
In einer etwas älteren Chronik der Stadt Bernau kann man noch
folgendes nachlesen (und es scheint mir mit der dortigen Begründung
auch am Wahrscheinlichsten):
"---im folgenden soll die Darstellung eines Geschichtsforschers gegeben
werden, die sich mit den Urkundenbuch des böhmischen Geschichtsforschers Palacky deckt und der Wahrheit wohl am nächsten kommen dürfte. Über den Zweck des hussitischen Einfalls in die Mark Brandenburg, sagt dieser folgendes:
Es sei wohl anzunehmen, daß die Hussiten durch den Einfall
hauptsächlich einen Druck auf das Konzil zu Basel un den dabei hervorragend beteiligten Kurfürsten Friedrich ausüben, nebenbei aber auch in der noch verschonten Mark auf Beute ausgehen wollten. ,Da die Furchtbare Verwüstung ihres Heimatlandes sie in die Notlage versetzte, sich ihres Schwertes zu nähren´. Es kann auch die Absicht bestanden haben, sich an dem Bischof von Lebus, Chr. von Rothan, zu rächen. Die Stärke des Hussitenheeres sei höchstens mit 700 bis 8000 streitbaren Männern anzugeben, dazu kämen noch die das Heer begleitenden Greise, Weiber und Kinder. Nirgends sei bei dem Zuge in die Mark, der sich als ein bloßer Raubzug darstellt, nachzuweisen, daß die Hussiten irgendwo Anstalten zu einer regelrechten Belagerung gemacht hätten. Dazu fehlte ihnen das erforderliche schwere Belagerungsmaterial..."
13. April 1432 Sturm auf Frankfurt mit der Niederlage der Hussiten
14. April 1432 Schlacht bei Müllrose mit 400 Toten (fast nur Kinder und Frauen) bei den Hussiten mit Frankfurter Bürgern, welche den Zug verfolgten und einen Teil angriffen; jedoch anschliessende Plünderung von Lebus
17. April 1432 Zerstörung von Müncheberg und Buckow
18. April 1432 Zerstörung von Strausberg...
"...Hierauf schlugen sie den Weg nach Eberswalde ein, wahrscheinlich um
das ihnen nicht unbekannte Kloster Chorin zu zerstören. Dieses fanden sie jedoch in der damaligen waldreichen Gegend nicht. Der weitere Vormarsch ging nun über Biesenthal, sie kamen so auf die Nordostseite von Bernau, übrigens auch die einzige Stelle, die einen Sturm gestattet zu haben scheint, da die Stadt im Südosten und Süden an einem Sumpf lag, der die Verteidigung der Stadt durch eine Mauer und nur durch einen Graben ermöglichte.
Die Ankunft des feindlichen Heeres geschah am Mittwoch, dem 23. April,
am Tage des Hl. Georg. Die Hussiten mögen die Nacht hindurch marschiert sein, um im Morgengrauen die Stadt überraschend überfallen zu können.
Die mehrfach wiederholten Sturmläufe sind von den wackeren Bürgern heldenmütig zurückgeschlagen worden, wobei sich auch die Frauen beteiligten, die siedenden Brei auf die anstürmenden Hussiten von den Mauern und Türmen herabgossen. Die Hussiten haben wahrscheinlich noch am selbigen Tage den Rückzug angetreten.
Ähnlich wie bei Frankfurt müssen nun die Bernauer waffenfähigen Männer die Hussiten beobachtet und einen Ausfall auf die abrückenden Scharen gewagt haben; vielleicht ist den Bernauern auch ein glücklicher Umstand zugute gekommen, etwa Übermüdung oder Trunksein der Feinde, der es ermöglichte, eine Abteilung des Streifkorps auf ihrem Rückmarsch an einer besonders günstigen Stelle zu überrumpeln.
Das Gros des Hussitenheeres nahm den Weg über Alt-Landsberg, das
von ihnen zerstört wurde, passierte bei Fürstenwalde die Spree
und zog sich durch die Lausitz eiligst nach Böhmen zurück....
...Stand nun einerseits ihr Sinn nach den Schätzen Chorins, so wird
andererseits ihr Begehren nach Bernauer Geld und Bier nicht geringer gewesen sein..."
Nachtrag: Von den Hussiten sind damals über 100 Stadte und Burgen,
über 500 Kirchen und Klöster und über 1500 Dörfer und
Flecken zerstört worden. Der Mut der Bernauer Bürger aus der
Hussitenzeit ist daher ganz besonders bemerkenswert und es darf dabei keinem Zweifel unterliegen, daß Bernau, wenn den Hussiten der Sturm geglückt wäre, das gleiche Schicksal wie den anderen Orte ereilt hätte.
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